Aug 17

Zu den frühesten Abblldungen von Musikinstrumenten gehört die Sackpfeife. Hirten erfreuen das Jesuskind in der Krippe mit ihrem Spiel darauf. Auch im Kölner Dom sind insgesamt 17 bisher bekannte Darstellungen von Dudelsäcken zu finden. Die Musiker des Solinger Ensembles Spillyck haben jetzt zu diesen Musikanten ein faszinierendes CD-Projekt eingespielt: Pipers Cathedral.

„Spillyck“ ist ein Ensemble, das sich der Pflege der alten Musik und vor allem des bei uns praktisch vergessenen Dudelsacks widmet. Denn Cornamuse und Bagpipe sind keineswegs Instrumente, die es nur in Schottland oder Frankreich gibt – auch in Deutschland hatten die Sackpfeifen eine lange Tradition, bis sie aus der Mode kamen.

Rund um den Dudelsackspieler Rafael Daun musizieren Christian Starke (Dudelsäcke, Blockflöten, Schalmei u.a.), Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon, Kleinperkussion) und Thórralf Schuh (Perkussion) sowie als Gast der bekannte Harfenist Tom Daun. Jeder, der die Daun-Brüder jemals im Konzert gehört hat, weiß, dass er sich bei „Pipers Cathedral“ auf ein ausgesprochen spannendes Musikprojekt freuen kann.
Wie kommt der Dudelsack in den Dom?

„Dudelsack – schon dem Namen des Instrumentes haftet etwas Derbes, fast Vulgäres an. Ist Dudeln nicht ein Synonym für die nervigen Klänge, die uns entgegenschallen, wenn wir Ruhe suchen? Auch der Sack ist heute eher als Schimpfwort im Gebrauch“, so Tom Daun. „Aber wie kommt dann der Dudelsack in den Kölner Dom?“ Mehr als 17 Dudelsack-Darstellungen aus den vergangenen 700 Jahren finden sich im Inneren und an der Fassade der mächtigen rheinischen Kathedrale: in Fenstermalereien und Bodenmosaiken, Steinskulpturen und Holzschnitzereien.

Gespielt wird das Instrument von Tanzmusikanten und teuflischen Mischwesen aus Mensch und Tier, aber auch von Hirten und Engeln. „In der Vergangenheit war der Dudelsack beides, mal argwöhnisch beäugtes Musik-Werkzeug der Unterschicht, mal Instrument der Engelschöre. Man spielte ihn zu Saufgelagen, aber ebenso zur Begleitung frommer Gesänge im Gottesdienst“, erläutert Tom Daun.

Also haben die „Spillyck“ den Dudelsackbläsern im Kölner Dom jeweils Musikstücke zugedacht – angefangen mit der berühmten Hymne ­„Highland Cathedral“, die 1982 von den beiden deutschen Musikern Michael Korb und Uli Roever komponiert wurde. Bearbeitungen von Weihnachtsliedern müssen sein, sind doch viele der Dudelsackbläser im Kölner Dom Hirten. Dazu kommen mittelalterliche Tänze, attraktive Neukompositionen, Bearbeitungen berühmter Stücke wie Händels „Pifa“ und von Heiligengesängen für St. Georg und St. Michael sowie des Liedes der Jakobspilger. Es fehlen auch nicht die Variationen über „Lieber Augustin“ des bergischen Komponisten Johann Wilhelm Wilms (1772 – 1847), dessen Wiederentdeckung den „Spillyck“ am Herzen liegt.

Die „Spillyck“ eröffnen ein reizvolles musikalisches Universum, das nicht nur beim Hören anregend ist – im liebevoll illustrierten Begleitheft erfährt der Musikfreund ebenfalls viel Neues. Zum Beispiel, woher der Name Köbes für die kölschen Kellner kommt: Köln war im Mittelalter eine wichtige Station auf dem Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela. Um ihre Reisekasse aufzubessern, halfen manche Jakobspilger ein paar Tage lang in einer der bereits damals zahlreichen Brauereien in der Kölner Altstadt aus. Wegen der vielen wechselnden Gesichter und der fremdländischen Namen sollen die Kölner Stammgäste sich angewöhnt haben, solche Kellner der Einfachheit halber nur „Köbes“ zu rufen – nach ihrem Schutzheiligen.

Der Dudelsack-Experte Dr. Fritz Schneider erläutert die Darstellungen des Instruments im Kölner Dom. Daneben steht jeweils ein kleiner Lageplan, so dass man die Abbildungen bei einem Besuch der Kathedrale auch wiederfinden kann.

Das Projekt ist gleichermaßen ambitioniert und bezaubernd – und spricht Mittelalter-Freunde ebenso an wie Celtic-Music-Fans und natürlich alle, die mehr über die Musik- und Kulturgeschichte unserer Region erfahren wollen.

 

Quelle: http://www.derwesten.de/wp/region/Hoellenlaerm-und-Engelsklang-id3485566.html

Aug 12

SimfyFür ein paar Euro im Monat verspricht ein junges Unternehmen aus Ehrenfeld unbegrenzten Zugriff auf Millionen Songs – immer und überall. Das Geschäftsmodell von „Simfy“ könnte die Musikbranche revolutionieren.

Christoph Lange sitzt neben seinem Kommilitonen Steffen Wicker und hat Bauchschmerzen. Ihnen gegenüber wartet ein Dutzend Plattenfirmen-Managern mitsamt Verstärkung aus ihrer Rechtsabteilung auf das, was ihnen diese zwei BWL-Studenten vorzuschlagen haben: Eine Liaison mit dem größten Feind. Mit dem Internet. Spontan begeistert sind die Manager nicht gerade: Zwei Jahre ist das jetzt her, zwei Jahre voller zäher Verhandlungen, dann sagten die Plattenbosse „Ja“ sagten zum Vorschlag der Studenten.

Denn die beiden jungen Männer lieferten ihnen eine Idee, die aus dem Feind einen Komplizen machen könnte: Eine Idee, mit der das Internet das Geschäft der Plattenfirmen nicht länger kaputtmachen – so nämlich sehen das die Plattenfirmen – sondern antreiben würde. Die Musik, die die Labels verkaufen wollen, gibt es nämlich im Netz kostenlos zum Herunterladen. Das ist zwar illegal, aber so kinderleicht, dass es viele Menschen trotzdem machen. Noch. Christoph Lange und Steffen Wicker wollen ihnen einen Alternative bieten, die bequemer ist und legal. So wie Apple das mit seinem iTunes-Store vorgemacht hat. Und genau den greift die Idee der BWL-Studenten an, auch wenn der zurückhaltend auftretende Lange das als „übertrieben“ bezeichnet. Seit Anfang Mai ist der studentische Angriff auf den Branchenriesen unter der Adresse „simfy.de“ im Internet zu finden. Obwohl studentisch vielleicht das falsche Wort ist, für ein Projekt, das millionenschwere Investoren in seinem Rücken weiß.

Bei „Simfy“ gibt es die Musik im Gegensatz zum iTunes-Store kostenlos – so wie bei illegalen Downloadservern. Aber man kann sie eben nicht herunterladen, nicht auf dem Computer speichern und nach Belieben vervielfältigen, nicht „klauen“, wie Plattenmanager sagen würden. Sie wird per „Stream“ (englisch für Strom) abgespielt. Wenn ein Benutzer ein Lied anhören will, werden die dafür notwendigen Daten direkt von einem „Simfy“-Rechner übertragen. Der Song wird jedoch nicht auf dem Computer des Hörers gespeichert. Er muss ihn weder herunterladen noch kaufen. Dafür wird zwischen den Liedern für einige Sekunden Werbung eingeblendet. Lange setzt darauf, dass das den Nutzern lästig wird, sie aber auf die riesige Musik-Bibliothek nicht mehr verzichten wollen: Wer monatlich 10 Euro zahlt, kriegt die Musik ohne Werbeunterbrechungen und kann sich die Streams auf sein Smartphone übertragen lassen und darüber hören. Und Lange denkt schon weiter. Er ist überzeugt, dass es bald Autoradios geben wird, die Streams empfangen und abspielen können. Genau wie Blu-ray-Player oder Fernseher. Die Musik schwirrt durch die Luft, geliefert von der virtuellen Datenwolke des Internets. Die Musikbranche könnte so revolutioniert werden: Wieso noch einzelne Songs kaufen, wieso überhaupt Musik besitzen, wenn man für ein paar Euro im Monat alles hören kann, was jemals in den Musikstudios dieser Welt aufgenommen wurde?

6,2 Millionen Lieder sind derzeit bei „Simfy“ verfügbar, alle großen Musiklabels kooperieren mit dem Start-Up , darunter Universal, Sony, EMI und Warner – wobei die etwa 400.000 Songs von Warner-Künstlern wie Madonna aus Firmen-philosophischen („Musik darf nicht umsonst sein“) bislang nur für die zahlende Kundschaft zu hören sind. Die Einnahmen werden zwischen „Simfy“ und den Plattenfirmen aufgeteilt: „Simfy“ zahlt ihnen einen Vorschuss und jedes Mal, wenn eines ihrer Lieder abgespielt wird, knapp einen Cent – und obendrauf zusätzlich etwas mehr als die Hälfte der Umsätze aus den Bezahl-Mitgliedschaften. Ein Modell, das sich für alle Beteiligten rechnen könnte. Auch mit der Verwertungsgesellschaft Gema hat man sich auf eine Vergütung geeinigt – im Gegensatz zum schwedischen Konkurrenten „Spotify“, dessen Einstieg in den deutschen Markt bisher daran scheiterte. Über 700.000 Nutzer haben sich bereits kostenlos registrieren lassen, wie viele die Bezahlmitgliedschaft abgeschlossen haben, will Lange nicht verraten. „Dafür ist es zu früh.“

Der 26-Jährige sitzt in der Firmenzentrale von „Simfy“, einem grauen Haus in Köln-Ehrenfeld, direkt neben einer Videothek. Der Eingang ist hinten im Hof, an der Tür klebt ein Zettel, frisch gestrichen, drinnen riecht es nach Farbe. „Wir bauen gerade an“, sagt Lange, der zusammen mit Steffen Wicker nach dem Einstieg von mehreren Kapitalgebern Geschäftsführer geblieben ist. Im Februar gab es eine Finanzierungsrunde, mehrere Investoren, darunter die NRW-Bank und DuMont Venture, haben sieben Millionen Euro in die Firma gepumpt. An der Wand hängen Leinwände mit Bildern von den Rolling Stones und den Beatles, die 60 Mitarbeiter sitzen hinter wandhohen Glaswänden an üppig dimensionierten Bildschirmen, die Empfangsdame hinter einem Tisch, der blau leuchtet.

Nach Köln kam das Unternehmen durch einen Zusammenschluss mit „Music Networx“, einer Firma, die Konzert-Mitschnitte von zum Beispiel Elton John oder Kiss verkauft. Gegründet wurde „Simfy“ 2006 in Mannheim, wo Lange und Wicker studierten. „Wir haben seit dem ersten Semester herumgesponnen“, sagt Lange. Die beiden wollten irgendwas im Internet machen. „Weil man dort Dinge umsetzen kann, ohne substantielle Mittel zu haben.“ Mit befreundeten Programmieren konzipierten sie eine Preisvergleich-Website für Musik im Internet aus der sich schließlich das jetzige „Simfy“ entwickelte. Dass ihr Projekt etwas mit Musik zu tun habe, sei eine Zufallsgeburt, sagt Lange. „Das lag uns einfach nur näher als zum Beispiel ein Preisvergleich für Katzenstreu.“

Mit den anfangs so skeptischen Herren von den Plattenfirmen versteht er sich inzwischen übrigens besser. „Wir treffen uns sogar manchmal abends auf ein Bierchen.“

 

Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1281517282744.shtml

Jul 29

Die Kölner Band ABC Georgia fühlt sich musikalisch in den frühen 1990er Jahren zu Hause. Das Quartett lässt sich von Post-Hardcore und alternativem Country inspirieren.

Köln – „Das Wichtigste ist das Gefühl, das bei unserer Musik rüberkommt, denn das Rad neu erfunden haben wir nicht“, sagt Jochen Heisel (30), Schlagzeuger der Kölner Formation A Band Called Georgia, kurz: ABC Georgia. Gut, das Rad neu zu erfinden erwartet heutzutage wohl keiner mehr von einer Rockband, zumal sich das 2007 gegründete Quartett einem Sound verschrieben hat, der zeitlos ist – emotionale Rockmusik, inspiriert von Punk Rock, Jangle Pop und alternativem Country. Acht ihrer Songs haben Jochen Heisel, die beiden Sänger und Gitarristen Dave Maskell (31) und Daniel Hecktor (35) sowie Bassist Rolf Barth (34) nun auf einen Tonträger gebannt.

„Debut“ heißt das Werk, und es ist nichts weniger als eine Offenbarung für jeden Fan alternativer amerikanischer Musik der frühen 1990er Jahre. Schon der Opener „Shore“ liefert diese grandiose Mischung aus Sehnsucht und Aggression, die schon Bands wie Jawbreaker, Leatherface und Samiam den musikalischen Sonderstatus sicherte – wenn schon melancholisch, dann wenigstens mit Energie. „Another Day“ ist die Träne im Auge des Helden, traurig und stolz zugleich, das behutsam beginnende „Bees and Birds and Bitterness“ wird schlagartig zu einem treibenden Gitarrenschrammler der alten Schule, anachronistisch, aber gerade deshalb auch authentisch.

Zum Abschluss des relativ kurzen Albums gibt es dann zwei Ohrwürmer, die alle Stärken der Band noch einmal eindrucksvoll auf den Punkt bringen. Mit einer sehnsüchtigen Gesangsmelodie und treibendem Rhythmus kommt der Punkrocker „Satellite“ daher, hebt empor in die Stratosphäre, die Einsamkeit des Alls. Das düstere „Talk Dirty Cheap Thing“ rockt genau in die andere Richtung, hinein in die Eingeweide der Seele, in Zerrissenheit und Wut. Mit rauer Stimme singt Hecktor: „We're setting sails into the sunset, one for the road we'll never go.“ (Wir setzen die Segel hinein in den Sonnenuntergang, noch einen letzten Drink auf den Weg, den wir niemals zusammen gehen werden).

„Hier geht es darum, unfreiwillig eine sehr wertvolle Beziehung hinter sich gelassen zu haben, und sich wieder ins Haifischbecken der Dating-Games zu begeben“, erklärt Hecktor, der sich das Songwriting und Texten mit Maskell teilt. Seine Inspirationen holt er sich, wie er sagt, aus einer gewissen Unzufriedenheit mit seiner Situation – Alltagsbeobachtungen werden in den Texten zu Reflexionen über den Zustand der Welt. „Ich hab Soziologie studiert, und das prägt“, so Hecktor. „Da kriegt man einen kritischen Blick auf die Welt, den man niemals mehr los wird.“ Im Fall von ABC Georgia ist das allerdings ein Gewinn: Maskell und Hecktor schaffen es, ihre kritischen Blicke metaphernreich und lyrisch anspruchsvoll in Textform zu bringen – Mitgröl-Plattitüden sucht man hier vergeblich, dafür findet man Substanz.

Punk-Rock-Attitüde gibt es trotzdem: „Debut“ wurde von der Band – beruflich fest eingespannt vom Projektmanager bis zum Sozialversicherungs-Fachangestellten – in Eigenregie aufgenommen. Das Ergebnis ist ein wunderbar unpolierter Sound, Melancholie und Rotzigkeit gehen Hand in Hand. Gute Songs, das machen ABC Georgia deutlich, sind eben doch wichtiger als ein audiophiles High-End-Produkt. Ob auf CD oder bei ihren mitreißenden Live-Auftritten: Die Band transportiert vor allem eines – Leidenschaft. „Das Größte am Musikmachen ist, wenn man das Gefühl hat, innerhalb einer Band zu harmonieren“, sagt Heisel. Und es ist wohl genau diese Harmonie, die jeden Song auf „Debut“ so ehrlich klingen lässt, wie den Schlag des Herzens.

 

quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1278663540909.shtml

Jul 25

Von Martin Zips

Was sich für Lena Meyer-Landrut seit Oslo verändert hat? Die Leute erkennen sie jetzt, wenn sie aufs Klo geht. Lena selbst hat sich wiederum gar nicht groß verändert. Das ist schön. Aber auch ganz schön heikel.

Lena wartet in einem dieser riesigen ehemaligen Industriebauten in Köln-Mülheim. Früher wurden hier Kabelstränge gedreht, heute deutsche Witzsendungen. Vor dem Eingang der Produktionsfirma Brainpool essen ein paar Blondinen Flutschfinger-Eis. "Komm rein, iss' frisch hier", steht auf einem Plakat.

Einer der Herren über diese Spaßfabrik heißt Stefan Raab. Raab befindet sich in der Sommerpause, rast also weder im Wok Eispisten hinunter, noch misst er sich mit anderen bei "Schlag den Raab" im Bierkrugschieben. Dort, wo allabendlich Raab-Fans aus ganz Deutschland an der Garderobe "Taschenmesser, Schlüssel und Lippenstifte" abgeben müssen, bevor sie ins "TV-Total"-Studio eingelassen werden, herrscht entspannte Ruhe.

Nur Herr Krämer von der Plattenfirma Universal wartet schon, eine Sicherheitsmitarbeiterin stemmt die schwere Glastür auf. Die Fotos an den Wänden dahinter zeigen die Komödianten Anke Engelke, Bastian Pastewka und viele andere muntere Brainpool-Gestalten, zu denen jetzt auch die 19 Jahre alte Lena Meyer-Landrut gehört. Mit ihrem Förderer Raab hat sie den Eurovision Song Contest wieder nach Deutschland geholt, zum ersten Mal nach 28 Jahren. Was ist dagegen schon ein dritter Platz bei einer Fußballweltmeisterschaft?

In elf Ländern war Lena mit "Satellite" auf Platz eins der wichtigsten Downloadportale. Nach ihrem Triumph überbrachte ihr Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, am Flughafen eine Grußbotschaft der Kanzlerin. Große Ehre also. Was ist eigentlich aus Lena geworden?

"Das ist mein 4322. Interview", seufzt sie, als sie müde den abgedunkelten Raum betritt und sich auf das schwarze Ledersofa legt. Gerade hat sie ein paar Räume weiter zu Mittag gegessen. Jetzt startet der Marathon erneut. Vergangene Woche gab Lena Interviews in London, Amsterdam, Wien, Paris. Sie befindet sich auf Promo-Tour, so heißt das. In ein paar Stunden reist sie weiter nach Brüssel, dann nach Norwegen, dann nach Schweden. In ihrer Heimatstadt Hannover ist sie selten, oft übernachtet sie in einem Kölner Apartment, das man ihr gebucht hat. Dort kocht sie oder liest. Krimis, Horrorgeschichten. Joy Fielding, "Die Katze". Raus geht sie kaum. "Zu prominent", sagt Herr Krämer.

"Wir duzen uns doch, oder?"

Lena trägt eine blaue, extra weite Baumwollhose, ein enges dunkles Shirt und Espadrilles. Erst legt sie sich auf den Rücken, dann auf den Bauch. Sie wippt mit den Beinen, löst den Haargummi und klimpert lolitahaft mit den Augendeckeln. Rundum ist es weniger reizvoll: Auf dem Tisch stehen drei abgebrannte Teelichter neben trockenem Gebäck.

Nachdem Lena in Oslo gewonnen hatte, sang sie vor Zehntausenden auf einem Platz in Hannover. "Geht doch nach Hause, es regnet so", rief sie den Menschen zu – aber die Menschen lachten und jubelten nur und kauften die Platte, die Stefan Raab in Windeseile mit ihr aufgenommen hatte. Ihr Album hat sich mehr als 400000-mal verkauft. Und "Satellite" ist hierzulande der meistverscherbelte Single-Hit des Jahres.

Jenseits von Bühne und Kamera ist Lena ("wir duzen uns doch, oder?") an diesem Tag eine ruhige, ernsthafte Frau. Sie erzählt von ihrer bisher weitesten Reise – Ferienclub in Tunesien, mit vier Jahren, zusammen mit der Mutter. "In den vergangenen Jahren fehlte uns für einen großen Urlaub schlicht das Geld." Sie berichtet, dass sie früher für Britney Spears schwärmte, nun aber Johnny Depp über ihrem Bett hängen hat.

Lena sagt, dass sie als Kind "oft in verschiedenen Familien zu Besuch" war und es dort immer geheißen hätte: "Wenn Lena da ist, dann ist immer alles viel schöner." Sie spricht leise. Kein einziges "geil" oder "supi" kommt diesmal über ihre Lippen. "Ich glaube, ich bin irgendwie ausgeglichen und mit mir völlig im Reinen. Das macht mir eine gewisse Unbeschwertheit möglich."

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/lena-meyer-landrut-du-hast-die-wahl-fisch-1.978018

Jul 24

Dem Mannheimer Mozartsommer ist etwas gelungen: Beim Konzert des Concerto Köln zusammen mit dem auf türkische Musik spezialisierten Ensemble Sarband ließen sich nicht nur viele Stammgäste im Schauspielhaus des Nationaltheaters in den Serail entführen, sondern offensichtlich auch viele Türken. Was Pfalzbau-Intendant Hansgünther Heyme mit seinen fremdsprachigen Theaterabenden vergebens versucht, nämlich Immigranten in den Tempel der Hochkultur zu locken – hier ist es en passant geschehen. Es war aber auch ein leichter, luftiger und lauschiger Abend, nicht nur klimatisch, auch musikalisch. Notierte türkische Musik stand notierter mitteleuropäischer Musik des 18. Jahrhunderts gegenüber, die von der türkischen Musik profitiert hat, etwa die Ouvertüre zu Mozarts "Entführung aus dem Serail" ganz am Ende, aber auch einige Werke von Joseph Martin Kraus.

Rhythmische Kontrapunkte

Interessant ist die Gegenüberstellung allemal, sind sich die Musiken strukturell doch sehr fern. Kontrapunkt, Polyphonie, ja selbst Harmonie kommen in den Stücken und Liedern von Gazi Giray Han, Dimitre Cantemir oder eben Wojciech Bobowski nur selten vor, meist spielen an Tutti-Stellen Ney (Längsflöte), Kemençe (eine Art Kniegeige) und Kanun (eine Art Zither) dieselbe Melodie mit Nuancen in der Intonation. Einen rhythmischen Kontrapunkt bildet die mit Synkopen angereicherte Perkussion.

Tatsächlich fand bei dem Konzert so etwas wie die Fusion der musikalischen Kulturen statt, indem nämlich die Sarband-Musiker den "klassischen" Werken mit ordentlich Schmackes einheizten und Concerto Köln auch bei türkischen Werken (oft unisono) mitspielten. Selbst getanzt wurde. Zwei Derwische drehten sich eindrucksvoll etwa in Bobowskis "Acem Ilâhi" minutenlang in höchster Eleganz im Kreis. Ein leichter Abend, der viele glücklich machte. Gelungen.

Quelle: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20100722_mmm0000000308601.html

Jul 22

So schön kann Trauer klingen: Das dritte Album der britischen Harmony-Pop-Gruppe The Magic Numbers klingt mit einer elegischen Streichermelodie aus, die dem Arrangeur Robert Kirby (1948-2009) ein bewegendes Denkmal setzt.

„Es war ein sehr enger Freund, fast unser fünftes Mitglied“, sagt Romeo Stodart, Gitarrist und Haupt-Songschreiber der aus zwei Bruder-Schwester-Paaren bestehenden Band, im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir spüren immer noch den großen Verlust.“ Weiterlesen »

Jul 07

Brings klingt zwar wie "Bringe es!", ist aber der Name des Lead-Sänges Peter Brings. Brings ist eine erst in neuerer Zeit in den Karneval vorgerückte, zwischenzeitlich sehr bekannte Kölner Kölschrock-Band. Die Band besteht neben Peter Brings aus den fünf Musikern Harry Alfter, Christian Blüm (Sohn von Norbert Blüm) und Kai Engel (der Sohn von "Ex-Föös" Thomas "Tommy" Engel) und einem weiteren Musiker, dessen Name streng geheim gehalten wird(angeblich auch ein "Brings").

Gegründet wurde die Band im Jahr 1991, damals noch mit Matthias Gottschalk am Schlagzeug und ohne Kai Engel. Die Band startete sehr erfolgreich, u.a. mit einem Auftritt bei Rock am Ring, und galt als große Hoffnung der deutschen Rockmusik. Ein Höhepunkt war eine nahezu ausverkaufte Kölner Sporthalle im Jahre 1993. Über die Jahre ist Brings zu einer lokalen Größe gewachsen. Weiterlesen »

Mai 15

Club Rakkas ist eine seit 1997 zunächst in Köln stattfindende Partyreihe zum Thema Turkish Pop. Mit Events in inzwischen deutschen, holländischen und türkischen Städten gilt sie heute als eine der erfolgreichsten Turkish-Pop-Veranstaltungen Europas.  Der Begriff Rakkas stammt aus dem Arabischen und bedeutet Stimmungsmacher. Weiterlesen »