Zu den frühesten Abblldungen von Musikinstrumenten gehört die Sackpfeife. Hirten erfreuen das Jesuskind in der Krippe mit ihrem Spiel darauf. Auch im Kölner Dom sind insgesamt 17 bisher bekannte Darstellungen von Dudelsäcken zu finden. Die Musiker des Solinger Ensembles Spillyck haben jetzt zu diesen Musikanten ein faszinierendes CD-Projekt eingespielt: Pipers Cathedral.
„Spillyck“ ist ein Ensemble, das sich der Pflege der alten Musik und vor allem des bei uns praktisch vergessenen Dudelsacks widmet. Denn Cornamuse und Bagpipe sind keineswegs Instrumente, die es nur in Schottland oder Frankreich gibt – auch in Deutschland hatten die Sackpfeifen eine lange Tradition, bis sie aus der Mode kamen.
Rund um den Dudelsackspieler Rafael Daun musizieren Christian Starke (Dudelsäcke, Blockflöten, Schalmei u.a.), Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon, Kleinperkussion) und Thórralf Schuh (Perkussion) sowie als Gast der bekannte Harfenist Tom Daun. Jeder, der die Daun-Brüder jemals im Konzert gehört hat, weiß, dass er sich bei „Pipers Cathedral“ auf ein ausgesprochen spannendes Musikprojekt freuen kann.
Wie kommt der Dudelsack in den Dom?
„Dudelsack – schon dem Namen des Instrumentes haftet etwas Derbes, fast Vulgäres an. Ist Dudeln nicht ein Synonym für die nervigen Klänge, die uns entgegenschallen, wenn wir Ruhe suchen? Auch der Sack ist heute eher als Schimpfwort im Gebrauch“, so Tom Daun. „Aber wie kommt dann der Dudelsack in den Kölner Dom?“ Mehr als 17 Dudelsack-Darstellungen aus den vergangenen 700 Jahren finden sich im Inneren und an der Fassade der mächtigen rheinischen Kathedrale: in Fenstermalereien und Bodenmosaiken, Steinskulpturen und Holzschnitzereien.
Gespielt wird das Instrument von Tanzmusikanten und teuflischen Mischwesen aus Mensch und Tier, aber auch von Hirten und Engeln. „In der Vergangenheit war der Dudelsack beides, mal argwöhnisch beäugtes Musik-Werkzeug der Unterschicht, mal Instrument der Engelschöre. Man spielte ihn zu Saufgelagen, aber ebenso zur Begleitung frommer Gesänge im Gottesdienst“, erläutert Tom Daun.
Also haben die „Spillyck“ den Dudelsackbläsern im Kölner Dom jeweils Musikstücke zugedacht – angefangen mit der berühmten Hymne „Highland Cathedral“, die 1982 von den beiden deutschen Musikern Michael Korb und Uli Roever komponiert wurde. Bearbeitungen von Weihnachtsliedern müssen sein, sind doch viele der Dudelsackbläser im Kölner Dom Hirten. Dazu kommen mittelalterliche Tänze, attraktive Neukompositionen, Bearbeitungen berühmter Stücke wie Händels „Pifa“ und von Heiligengesängen für St. Georg und St. Michael sowie des Liedes der Jakobspilger. Es fehlen auch nicht die Variationen über „Lieber Augustin“ des bergischen Komponisten Johann Wilhelm Wilms (1772 – 1847), dessen Wiederentdeckung den „Spillyck“ am Herzen liegt.
Die „Spillyck“ eröffnen ein reizvolles musikalisches Universum, das nicht nur beim Hören anregend ist – im liebevoll illustrierten Begleitheft erfährt der Musikfreund ebenfalls viel Neues. Zum Beispiel, woher der Name Köbes für die kölschen Kellner kommt: Köln war im Mittelalter eine wichtige Station auf dem Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela. Um ihre Reisekasse aufzubessern, halfen manche Jakobspilger ein paar Tage lang in einer der bereits damals zahlreichen Brauereien in der Kölner Altstadt aus. Wegen der vielen wechselnden Gesichter und der fremdländischen Namen sollen die Kölner Stammgäste sich angewöhnt haben, solche Kellner der Einfachheit halber nur „Köbes“ zu rufen – nach ihrem Schutzheiligen.
Der Dudelsack-Experte Dr. Fritz Schneider erläutert die Darstellungen des Instruments im Kölner Dom. Daneben steht jeweils ein kleiner Lageplan, so dass man die Abbildungen bei einem Besuch der Kathedrale auch wiederfinden kann.
Das Projekt ist gleichermaßen ambitioniert und bezaubernd – und spricht Mittelalter-Freunde ebenso an wie Celtic-Music-Fans und natürlich alle, die mehr über die Musik- und Kulturgeschichte unserer Region erfahren wollen.
Quelle: http://www.derwesten.de/wp/region/Hoellenlaerm-und-Engelsklang-id3485566.html
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Köln –
llung allemal, sind sich die Musiken strukturell doch sehr fern. Kontrapunkt, Polyphonie, ja selbst Harmonie kommen in den Stücken und Liedern von Gazi Giray Han, Dimitre Cantemir oder eben Wojciech Bobowski nur selten vor, meist spielen an Tutti-Stellen Ney (Längsflöte), Kemençe (eine Art Kniegeige) und Kanun (eine Art Zither) dieselbe Melodie mit Nuancen in der Intonation. Einen rhythmischen Kontrapunkt bildet die mit Synkopen angereicherte Perkussion.