Jul 22

So schön kann Trauer klingen: Das dritte Album der britischen Harmony-Pop-Gruppe The Magic Numbers klingt mit einer elegischen Streichermelodie aus, die dem Arrangeur Robert Kirby (1948-2009) ein bewegendes Denkmal setzt.

„Es war ein sehr enger Freund, fast unser fünftes Mitglied“, sagt Romeo Stodart, Gitarrist und Haupt-Songschreiber der aus zwei Bruder-Schwester-Paaren bestehenden Band, im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir spüren immer noch den großen Verlust.“Kirbys letzte Aufnahmen mit den Brilliant Strings zieren nun das Ende der neuen Magic-Numbers-Platte. Die Ergriffenheit ist Stodart, einem hünenhaften Mann mit dichtem Vollbart, auch gut ein halbes Jahr nach Kirbys plötzlichem Tod noch deutlich anzumerken. „The Runaway“, nach vier Jahren Band-Pause als Comeback geplant, ist zu einem melancholischen Nachruf geworden

Als blutjunger Studiomusiker hatte Kirby Anfang der 70er Jahre für Nick Drakes legendäre Folkpop-Alben „Five Leaves Left“ und „Bryter Layter“ wunderbare Orchester-Arrangements beigesteuert. Auch in den Jahrzehnten danach war er ein gefragter Sound-Veredler. Mit den Magic Numbers Romeo und Michele Stodart sowie Angela und Sean Gannon hatte Kirby bereits deren zweites Album „Those The Brokes“ (2006) aufgenommen. Dem Nachfolger drückte er bei vier Songs seinen Stempel auf es sind die besten einer insgesamt eindrucksvollen Platte.

Schon das erste Lied „The Pulse“ klingt mit perfektem Harmoniegesang und dem prominenten Einsatz des Kammerorchesters Brilliant Strings wie eine traumhafte Hommage an den melodieseligen Sixties-Pop. „Auf diesen Song sind wir echt stolz“, sagt Romeo Stodart. „Wir haben uns stark an klassischer Popmusik orientiert: Phil Spector, die Beach Boys, Motown. Und wir konnten diesmal im Studio viel experimentieren das hat sich ausgezahlt.“

Neben Folk und Pop fällt auf „The Runaway“ vor allem Soul als Einfluss ins Gewicht. Ein Stil, den sich die vier Londoner „Bleichgesichter“ auf ihre ganz eigene, sehr britische, respektvolle Weise aneigneten – schön nachzuhören etwa in „Why Did You Call?“ oder „The Song That No One Knows“. „Wir mögen neben dem klassischen Soul auch Beyoncé oder Alicia Keys“, verrät Romeo Stodart.

Für die Magic Numbers steht vor allem in Großbritannien, wo sie vor einem halben Jahrzehnt ihre größten Chart-Erfolge feierten, einiges auf dem Spiel. Das Quartett war nach langen Tourneen ausgelaugt, Michele Stodart wurde Mutter, und dann wechselte man auch noch die Plattenfirma. Die lange Pause zwischen den Alben Nummer zwei und drei „hat uns gut getan“, sagt Angela Gannon im dpa-Interview. Den sympathischen Musikern ist zu wünschen, dass ihr zwischen Euphorie und Trauer schwebendes Werk von vielen alten Fans gehört wird und neue gewinnt auch im Gedenken an den großen Robert Kirby.

quelle: http://www.focus.de/kultur/musik/musik-euphorie-und-trauer-neues-von-den-magic-numbers_aid_532998.html

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