Dem Mannheimer Mozartsommer ist etwas gelungen: Beim Konzert des Concerto Köln zusammen mit dem auf türkische Musik spezialisierten Ensemble Sarband ließen sich nicht nur viele Stammgäste im Schauspielhaus des Nationaltheaters in den Serail entführen, sondern offensichtlich auch viele Türken. Was Pfalzbau-Intendant Hansgünther Heyme mit seinen fremdsprachigen Theaterabenden vergebens versucht, nämlich Immigranten in den Tempel der Hochkultur zu locken – hier ist es en passant geschehen. Es war aber auch ein leichter, luftiger und lauschiger Abend, nicht nur klimatisch, auch musikalisch. Notierte türkische Musik stand notierter mitteleuropäischer Musik des 18. Jahrhunderts gegenüber, die von der türkischen Musik profitiert hat, etwa die Ouvertüre zu Mozarts "Entführung aus dem Serail" ganz am Ende, aber auch einige Werke von Joseph Martin Kraus.
Rhythmische Kontrapunkte
Interessant ist die Gegenüberste
llung allemal, sind sich die Musiken strukturell doch sehr fern. Kontrapunkt, Polyphonie, ja selbst Harmonie kommen in den Stücken und Liedern von Gazi Giray Han, Dimitre Cantemir oder eben Wojciech Bobowski nur selten vor, meist spielen an Tutti-Stellen Ney (Längsflöte), Kemençe (eine Art Kniegeige) und Kanun (eine Art Zither) dieselbe Melodie mit Nuancen in der Intonation. Einen rhythmischen Kontrapunkt bildet die mit Synkopen angereicherte Perkussion.
Tatsächlich fand bei dem Konzert so etwas wie die Fusion der musikalischen Kulturen statt, indem nämlich die Sarband-Musiker den "klassischen" Werken mit ordentlich Schmackes einheizten und Concerto Köln auch bei türkischen Werken (oft unisono) mitspielten. Selbst getanzt wurde. Zwei Derwische drehten sich eindrucksvoll etwa in Bobowskis "Acem Ilâhi" minutenlang in höchster Eleganz im Kreis. Ein leichter Abend, der viele glücklich machte. Gelungen.
Quelle: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20100722_mmm0000000308601.html